ein Genie seiner Zeit

Das Leben von Gottfried Christoph Beireis war wahrhaft außergewöhnlich.
Er wird als Sohn des Bürgermeisters am 02.03.1730 in Mühlhausen (Thüringen) geboren. Der Vater stirbt früh. Im Alter von 20 Jahren beginnt der fleißige Beireis ein Studium der Theologie, ändert seine Studienrichtung aber in Richtung Polyhistor (Universalgelehrter).
Bereits mit 25 verfasst er eines seiner wenigen Bücher: "Über den Nutzen und die Unentbehrlichkeit der Naturgeschichte". Mit 26 beginnt er in Helmstedt beim berühmten Lorenz Heister das Studium der Medizin. Dabei ist er so erfolgreich, dass er ohne den Doktorgrad erreicht zu haben im Jahre 1759 zum Professor für Physik und zum zweiten Professor für Chemie ernannt wird.
In diese Zeit fällt auch Beireis' Entdeckung künstlich Zinoberrot herzustellen. Diese Entdeckung begründete seinen unbeschreiblichen Reichtum. Die dritte Professur (Medizin), sowie diverse Titel wie "Hofrat" und "Herzoglicher Leibmedicus" der Herzöge von Mecklenburg und Braunschweig, folgten.
Bis ins Greisenalter (im 18.Jh lag die Lebenserwartung bei unter 35 Jahren!) führte er ein ausgefülltes, arbeitsreiches Leben. Dabei war Beireis das Wirken auf sein Hier-und-Jetzt wichtiger, als durch die Veröffentlichung vieler Bücher nach Unsterblichkeit zu streben. Sein wacher Geist, seine Menschlichkeit und die Hingabe an seine Arbeit machten ihn weit über Helmstedts Grenzen hinaus bekannt; sogar Goethe versäumte es nicht ihn zu besuchen. Dabei zeigte der sich von Beireis' wertvoller Sammlung beeindruckt. Auch Achim von Arnim hat ihn 1806 besucht und ihn in einem Kapitel seines Buches "Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores" beschrieben.
Beireis' überragendes Können als Arzt und Chemiker und der Umstand, dass er von Reichen gutes Geld nahm, Arme aber manchmal gratis behandelte, sorgten für ein ausgefülltes Berufsleben. Sein enormer Fleiß ("...täglich 10-12 Collegs, dazu starke Arztpraxis." ) ließ Beireis jedoch keine Zeit eine Familie zu gründen. Aus seiner Zeit in Helmstedt sind der Beireis Apotheke ein Danklied und ein Geburtstagsgedicht für ihn erhalten. Sie spiegeln in bewegender Art wieder, wie Beireis auf und für die Menschen Helmstedts gewirkt hat. Auch zum fünfzigstem (!) Jahrestag seiner Ernennung zum Professor am 29.05.1809 wurde solch eine Ode verfasst.
Als kurz darauf die Ruhr über Helmstedt wütet, zählt auch der fast 80 jährige Beireis zu ihren Opfern. Nach kurzer, schwerer Krankheit stirbt er am 18.09.1809. So muß er nicht mehr erleben wie der Mittelpunkt seines Lebens, die Helmstedter Universität, im Jahre 1810 auf Befehl Napoleons geschlossen wird.


Tabellarischer Lebenslauf

1730
Am 02. März wird Gottfried Christoph Beireis als Sohn des Bürgermeisters in Mühlhausen/Eichsfeld geboren.

1750
Beireis studiert in Jena die Rechte, Mathematik und Naturwissenschaften

1754
siedelt er nach Helmstedt um und ist der dortigen Universität zugehörig.

1755
veröffentlicht er sein akademisches Programm "Über den Nutzen und die Unentbehrlichkeit der Naturgeschichte".

1756
Er beginnt ein Medizinstudium in Helmstedt.

1759
wird Beireis von Herzog Carl I. von Braunschweig zum Professor publicus ordinarius für Physik ernannt. Im gleichen Jahr wird er auch zweiter Professor für Chemie.

1761
wird ihm außerdem noch die Professur für Medizin an der Helmstedter Alma Mater Julia-Carolina übertragen.

1762
ernennt ihn der Herzog von Mecklenburg zu seinem Leibarzt, und später wird er noch "Herzoglicher Leibmedicus" des Herzogs von Braunschweig.

1766
wird Gottfried Christoph Beireis zum Hofrat ernannt.

1768
bekommt er für Chirurgie seine dritte Professur übertragen.

1784
Besuch von dem Physiker Alessandro Graf Volta, Professor an der Universität Pavia. Im Auftrag des Kaisers Josef II. besucht ihn der Chirurg Antonio Scarpa, auch er ist Professor an der Universität Pavia.

1789
Besuch von Alexander von Humboldt, der sich begeistert über Beireis` Sammlung von (Musik-) Automaten des französischen Mechanikers Jacques de Vaucanson (1709-1782) und die Sammlung konservierter anatomischer Präparate des Berliner Arztes Johann N. Lieberkühn (1711-1756) äußert. Weiterhin sammelt Beireis Mineralien, medizinische Präperate, antike Münzen, feinmechanische Geräte und Kunstwerke.
In einer Beurteilung durch einen Universitätskollegen heißt es über ihn:
"Viel Beifall, sehr fleißig, täglich 10-12 Collegs, dazu starke Arztpraxis. In allen Zweigen ist der Vortrag deutlich und angenehm..."

1803
Als Leibarzt des Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand wird er Präsident des Braunschweigerischen Medizinal-Kollegiums und Mitglied verschiedener medizinischer, ökonomischer und literarischer Gesellschaften. Durch seine Vortragsweise und dazugehörigen Kenntnisse strömten bald Studenten aller Fakultäten zu ihm.

1805
Vom 17.bis 19. August besucht Deutschlands größter Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, den Helmstedter Universitätsprofessor und Wundermann Gottfried Christoph Beireis. Als Hausarzt der gräflichen Familie von Veltheim führt Beireis den Dichter auf dem Schloss zu Harbke ein.

1809
Am 29.05. feiert Beireis sein 50stes Jahr als Professor.
Am 13.09. erkrankt Beireis an einer bösartigen Ruhr.
Am 18.09. stirbt Gottfried Christoph Beireis in Helmstedt an den Folgen dieser Krankheit. Sein Leichnam wird drei Tage später in einem Gewölbe der St. Stephaniekirche beigesetzt.

1810 wird im Mai die Universität zu Helmstedt auf Befehl Napoleons geschlossen.


Mehr über Gottfried Christoph Beireis finden Sie z.B hier.